Archiv / 2005 / Hier

Hallo Werner, wie versprochen – nein, wie befohlen – einige Gedanken zum 24-Stunden Enduro in Torgau. Um es vorweg mit einem Satz zu sagen: so etwas muss man sich nicht noch einmal antun. Aber trotzdem bin ich um wichtige Erfahrungen reicher. Die wichtigste: Die Montesa Cota 4 RT ist mit Abstand die zuverlässigste Enduro (man kann jetzt nicht mehr nur Trialmaschine sagen), die ich kenne. Aber der Reihe nach. In einem geistig umnebelten Moment hatte ich Peter Lunnebach versprochen, dass ich ihm die Montesa Enduro für das 24-Stunden-Enduro zur Verfügung stelle und als Betreuer mitfahre. Schon die Anreise war eine Katastrophe – 10 Stunden Fahrt für 520 km... kein Wort mehr darüber!

Pünktlich bei Ankunft fing es an zu regnen. 24 Stunden Regen... das 24-Stunden-Regen-Enduro. Die Strecke war ein einziger sandig-schlammiger Morast. Reglement: ein Team konnte aus vier Fahrern und Motorrädern bestehen, hatte aber nur einen Transponder, der bei Ablösung quasi als Staffelstab an den Teamkollegen übergeben werden musste. Am Start waren so imponierende Namen wie z. B. Kawasaki Deutschland, ein Team von Touratech mit 650er BMWs und viele klangvolle Enduro- und Moto Cross-Namen.

Als es am Samstag um 17 Uhr losging – Le-Mans-Start – fuhr Peter Lunnebach auf der Montesa den ersten Turn. Drei Runden auf der ca. sieben Kilometer langen Strecke waren für ihn von der Tankkapazität her als machbar ausgerechnet – und das paßte genau! Nach der ersten Runde war schon nicht mehr zu erkennen um welches Motorrad es sich handelte – alle waren vollständig mit Schlamm und Dreck eingesaut. Immerhin war unser "kleines Moped" trotz der Schlammkruste an seiner schlanken Kontur zu erkennen. Zu unserer Überraschung – und zur Fassungslosigkeit vieler Grobstolliger – trieb sich Peter Lunnebach nach schlechtem Start schon bald im vorderen Mittelfeld herum.

Beim Fahrerwechsel sah ich mir die Montesa genauer an. Das heißt ich sah sie nicht, sondern ich sah nur die Schlammkruste. Die komplette Elektronik unter Dreck und Wasser. Erste Bedenken: hält das wirklich durch? Es hat gehalten! Die Montesa lief wie ein Schweizer Präzisionsuhrwerk!

Während der Rest des Teams vom MSC Dreckenach, Wolfgang Schade, Stephan Schwarz und Christof Schottmann mit ihren grobstolligen Langgefederten nacheinander zum Einsatz kamen, ging es bald in Richtung Dunkelheit. Ich hatte an der Montesa eine 70 Watt-Halogenlampe montiert – rein rechnerisch musste das klappen. Doch als Peter Lunnebach nach seinen drei Nachtrunden reinkam, sagte er, dass eine der beiden Birnen ausgeht, wenn der Lüfter einsetzt. Ach du Schei..., dachte ich, das hält die Lichtmaschine nicht aus! Doch auch sie hat es ausgehalten!

Viele Teams, die sich am Start eher amüsiert zeigten, konnten spätestens jetzt nicht mehr verstehen, dass ein so kleines "Moped" so problemlos – und so schnell! – lief. Selbst die Touratech-Fahrer mit ihren 650er BWMs mussten Lunnebach ziehen lassen. Zum Vergleich: Kawasakis Werksteam fuhr die schnellsten Runden um die 9 Minuten. Peter Lunnbach auf der Montesa fuhr konstant 11 Minuten. Selbst in der Nacht, wo viele der kleineren Teams gar nicht fuhren (zu schwer), schaffte Peter Rundenzeiten von 20 Minuten. Also, Finni, du bist einfach Spitze!

Aber 24 Stunden gehen einfach nicht ohne Probleme ab. Kann gar nicht. Bei unserer Montesa war es nur ein platter Vorderreifen, in unserem Team wurde allerdings eine KTM im Schlammwasser versenkt (und erfolgreich wieder geborgen) und einmal kam einer der Fahrer sogar zu Fuß zurück (aber mit Transponder), weil sein Grobstölliger den Geist aufgab. Dennoch kann sich unser Teamergebnis sehen lassen. 109 Teams waren in der "Sportsclass" am Start; mit 74 Runden erreichte unser Team mit Schwarz, Schade, Schottmann und Lunnebach bzw. KTM LC4, KTM ECX, Husaberg und Montesa Cota 4RT den Platz 40!

Zu Hause – diesmal nur sieben Stunden gebraucht – die erste Inspektion nach einer Stunde Hochdruckreinigung. Bremsbeläge vorne und hinten waren platt, genauso wie Kette und Kettenblatt. Und sonst? Noch nicht einmal Kratzer an den Aufklebern! In der "Nacht der langen Messer" habe ich nicht geschlafen, weil ich richtiggehend Angst um die Montesa hatte – ich hätte ruhig zu Bett gehen können. Am Schluss ein kurzer, prägnanter Satz von Peter Lunnebach über die Montesa, der mir immer in Erinnerung
bleibt: die beißt!!

P.S.: die Ergebnisliste findet ihr bei www.endurance-day.de

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